Zum Einstimmen möchte ich Ihnen eine Episode erzählen, die mir heute Morgen passierte. Für den eiligen Betrachter ist es eine Bagatelle. Doch bei intensiverem Hinsehen entdeckt man den Umschalter für mehr Lebensfreude.

 

Heute Morgen sollten bei uns und dem Nachbarn die Elektrozähler gewechselt werden. Als sich die Elektriker anmeldeten, fuhr ich vorsorglich den Rechner herunter. Auch meine Frau wartete mit dem Kochen. Wir hatten genügend andere Dinge zu erledigen. Geduldig warteten wir auf das Signal, dass der Strom abgeschaltet wurde.

Doch nichts geschah. Offensichtlich hatten sie nur beim Nachbarn den Zähler gewechselt. Die Handwerker packten ihr Werkzeug wieder ein.

So tötete er selbst seine Lebensfreude!

Verwundert sprach ich sie an, ob sie uns vergessen hätten. Ein Elektriker blätterte irritiert in seinen Auftragsunterlagen. Der Andere holte tief Luft und lästerte sofort über die Planungsabteilung der Firma. Das sei kein Wunder, meinte er. Da wäre alles durcheinander und das wäre schon einmal vorgekommen.

Im weiteren Gespräch bestätigte sich, dass alles in Ordnung war. Sie hatten ordnungsgemäß den Zähler für meinen Praxisraum gewechselt. Der Zähler für die anderen Räume sollte überhaupt nicht gewechselt werden. Obwohl damit alles geklärt war, beschäftigte mich diese Episode noch eine ganze Weile.

Die Äußerungen des einen Elektrikers hatten mich äußerst unangenehm berührt. Zum einen gehört es sich nicht, vor dem Kunden über die Firma schlecht zu reden. Dies schadet nicht nur dem Image der Firma, sondern produziert auch noch ein schlechtes Klima unter den Kollegen. Zum Anderen klaut  sich dieser Mann selbst seine Lebensfreude.

Nachdem wir uns verabschiedeten, entwickelten sich meine Gedanken weiter.

 

Wie oft reden wir schlecht über andere Menschen?

Mit Absicht lasse ich bei diesen Betrachtungen die großen Probleme weg. Stattdessen lade ich Sie ein, auf unseren ureigensten Alltag zu schauen.

 

Was ist nun Lebensfreude?

Zitat Wikipedia:

„Lebensfreude ist das subjektive Empfinden der Freude am eigenen Leben. In der Literatur findet sich der Begriff oftmals kombiniert mit weiteren erstrebenswerten positiven Attributen, wie Selbstbewusstsein, Vitalität, Optimismus, Kreativität und Glücklich sein.

Bitte lassen Sie sich diese Worte auf Ihrer mentalen Zunge zergehen. Die empfundene Lebensfreude ist Ausdruck subjektiven Empfindens.

Das heißt, je mehr wir schimpfen…

desto stärker ziehen wir uns selber in den emotionalen Sumpf. Wir zerstören selbst schon durch unser Reden unsere eigene Lebensfreude.

Seit alters her gibt es unter den Menschen Verbrecher ebenso, wie es immer schon liebenswerte Menschen gegeben hat. Vieles in unserem Leben können wir nicht bzw. nur bedingt beeinflussen. Doch etwas können wir immer beeinflussen, unser eigenes Reden und Handeln. Die darin innewohnende Kraft wird teilweise noch immer unterschätzt.

 

Kennen Sie dieses Zitat?

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. 
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. 
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. 
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. 
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Talmud

Es wird wohl kaum jemanden geben, der am Wahrheitsgehalt dieser Worte zweifelt. Verzweifeln kann man allerdings an der praktischen Umsetzung, stimmt‘s?

Um die Gedanken zu beeinflussen, braucht man jahrelange Übung in Meditation. Nicht jeder kann sich daran erwärmen, auf diese Art seine Lebensfreude zu beeinflussen. Anders sieht es meiner Meinung nach mit der Wahl der eigenen Worte aus.

Der Volksmund formuliert an dieser Stelle drastisch:

„Vor dem Gebrauch des Mundwerkes ist das Gehirn einzuschalten.“

 

Rumi formulierte es eleganter:

Bevor du sprichst, lasse deine Worte durch drei Tore schreiten.

Beim ersten Tor frage: „Sind sie wahr?“

Am zweiten frage: „Sind sie notwendig?“

Am dritten Tor frage: „Sind sie freundlich?“

Eigentlich ist es egal, welches Zitat am ehesten zu Ihnen passt. Wichtig ist, Sie erkennen hier die Weggabelung zu Lebensfreude. Toben schlimme Gedanken in unserem Kopf, ist es ein hartes Stück Arbeit, daran etwas zu ändern. Wesentlich leichter dagegen ist es, auf seine Worte zu achten.

Schon ein geringes Maß an Beherrschung reicht, um seine Ausdrucksweise zu disziplinieren.

Das hat viele Vorteile.

  • Ein Wortgefecht kann nicht eskalieren.
  • Sie bewahren sich vor unbedachten Äußerungen.
  • Sie gehen mit sich selbst liebevoller um.
  • Sie geben dem Gegenüber eine faire Chance, bestimmte Dinge klar zu stellen.

 

Setzen Sie diesen Gedanken konsequent um, wird eine gemäßigte Ausdrucksweise zur anstrengungslosen Gewohnheit.

 

Zum Schluss mein Tipp:

Übrigens hätte ich da einen genialen Buchtipp für Sie. Das Kommunikationsmodell der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg liefert wundervolle Ansätze, angemessen klar zu sagen, worum es geht. Gleichzeitig eröffnet diese Strategie die Möglichkeit, die eigene Reaktion zu hinterfragen.

Damit eröffnet sich ein weiterer Lösungsansatz, seine Lebensfreude nachhaltig positiv zu beeinflussen. Tippen Sie hier und lassen Sie sich inspirieren.

Das Leben ist zu schön, um (es) aufzugeben.

Herzlichst

Ihr Bernd Neuper

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